Gestern & Heute

Der heutige Taxi-Ruf Bremen 14 0 14 wurde 1894 als "Vereinigung Bremer Droschkenbesitzer" gegründet – von Taxis sprach damals noch niemand, Personen wurden mit Pferd und Kutsche befördert. 1902 erhielt der Verein durch den Senat die Rechtsfähigkeit, und auch heute noch besteht er in der seltenen Rechtsform "Verein kraft senatorischer Verleihung". Schon 1906 wurde die erste Motor-Kraftdroschke eingesetzt. Von der langen Vereinsgeschichte zeugt heute noch die "Gesine", ein Original Ford-Taxi, das in den 30er Jahren auf den Straßen Bremens unterwegs war und noch immer jeden Freimarktsumzug begleitet.

1911 wurde die erste Telefonzentrale in Betrieb genommen, das Vermittlungswesen seitdem ständig erweitert und modernisiert. Heute umfasst die Zentrale 7 Vermittlungstische, bei Bedarf können auch Büro-Arbeitsplätze mit einbezogen werden. Seit 1992 wurde auf Datenfunk umgestellt, die Vermittlung eines Fahrtauftrages erfolgt also nicht mehr per Sprechfunk, sondern in schriftlicher Form auf ein Display im Fahrzeug. Ein leistungsfähiger Rechner in der Zentrale ergänzt dabei jede Adresse automatisch mit Anfahrtshilfen. 2001 wurde zum so genannten geschlossenen (vollautomatischen) System aufgerüstet: die Taxis buchen sich nur noch auf einem Taxiplatz ein und werden nach ihren Merkmalen und denen des Fahrers abgerufen. Sind die Taxiplätze nicht besetzt, wird per Satellitenortung das nächste freie Taxi beauftragt. Der Taxi-Ruf verfügt damit über eine der modernsten Zentralen Deutschlands.

Das vereinseigene Gebäude in der Jakobistr. 20 wurde 1952 zunächst als Flachbau mit Tankstelle, Werkstatt, Waschhalle und Telefonzentrale errichtet und 1962 auf insgesamt vier Etagen erweitert. Hier betreibt der Taxi-Ruf auch eine eigene Abrechnungsstelle für die Fahrtenverrechnung mit Krankenkassen, gewerblichen Rechnungskunden und anderen Kostenträgern. In Zentrale und Büro beschäftigt der Taxi-Ruf über 50 Mitarbeiter.

Heute stellt der Taxi-Ruf mit insgesamt etwa 475 Fahrzeugen knapp 85% des Bremer Taxigewerbes und ist somit mit Abstand die bedeutendste Taxizentrale der Stadt. Die Taxis verteilen sich auf ca. 210 Unternehmen, woraus zu erkennen ist, dass es sich weitgehend um Kleinbetriebe mit einem oder zwei Fahrzeugen handelt. Es gibt jedoch auch Mehrfachunternehmen mit bis zu 25 Taxis, eigenen Werkstätten und Reservefahrzeugen.

Der Verein wird durch einen vierköpfigen Vorstand geführt, der durch die Mitgliederversammlung gewählt wird. Darüber hinaus existiert ein aus acht Unternehmern bestehender Aufsichtsrat.

Laut Satzung verfügt der Taxi-Ruf über eine Diszplinarkommission, derzeit bestehend aus je einem Vertreter des Vorstandes und des Aufsichtsrates. Kollegen haben hier die Möglichkeit, sich bei Verfehlungen gegenüber Kunden, unkollegialem Verhalten oder vereinsschädigendem Auftreten in der Öffentlichkeit zu äußern. Wird der Vorwurf bestätigt, kann eine Geldstrafe verhängt werden, jedoch ist auch eine Sperre für einzelne Kunden oder ein Löschen einzelner Merkmale der Funkberechtigung möglich.

Für die Zukunft wird der Taxi-Ruf verstärkt neue Märkte im Dienstleitungsbereich erschließen. Der Phantasie, welche Märkte mit 475 Fahrzeugen, unspezialisierten Mitarbeitern und einem leistungsfähigen Call-Center 24 Stunden am Tag erschlossen werden können, sind kaum Grenzen gesetzt.